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Was ist ein gutes Business-Portrait?

Ein Portrait ist für mich vor allem erst einmal etwas sehr Persönliches. Immerhin entscheidet sich der Portraitierte, sein Bild der Öffentlichkeit preiszugeben – zumindest bei einem Business-Portrait, das auch ins Netz gestellt wird.

Ein gelungenes Portrait ist für mich eine Geschichte im Kopf des Betrachters, die ihn berührt und neugierig macht auf die Person auf dem Bild. „Du darfst mich ansehen“, sagt der Portraitierte. „Du bist interessant, ich würde gerne mehr über Dich erfahren“, sagt der Betrachter.

Ein Business-Portrait ist kein Beautyshot. Diese sind etwas für Hochglanzmagazine. Natürlich möchte jeder auch auf einem Business-Portrait möglichst gut aussehen. Das ist legitim. Dafür sorgt das richtige Licht, das richtige Make-up und das richtige Styling. Aber gut aussehen alleine macht noch lange kein gutes Portrait, denn es macht den Betrachter nicht neugierig.

Ein gutes Portrait ist der richtige Augenblick, ein offenes Gesicht, eine unerwartete Geste, ein interessanter Bildausschnitt, ein witziges Detail. Um das zu erreichen, braucht es neben der guten Chemie zwischen dem Portraitierten und dem Fotografen vor allen Dingen eines: Zeit. Und ein Gespür für den richtigen Augenblick.

Eines meiner persönlichen Lieblingsportraits ist ein Bild von Königin Elisabeth II., das der Kanadier Chris Levine gemacht hat. Es ist, wenn Sie es so wollen, auch ein Business-Portrait.

Zunächst zeigt es eine gut frisierte, teuer gekleidete Frau mit diamantbesetzter Krone. Anders würde man das von einer Königin auch nicht erwarten. Aber ich sehe vor allem eine Frau, die in sich ruht, in einem Moment der Meditation. Eine Frau, die ein ereignisreiches und nicht immer sorgenfreies Leben hinter sich hat. Was wird ihr Blick verraten, wenn sie die Augen öffnet? Wird sie lächeln? Wie klingt ihre Stimme?

Chris Levine hat es in einem Moment der Ruhe während des Fotoshootings gemacht. Es war so nicht geplant. Das Berührende daran ist die Intimität. Der Bruch zwischen Bildinhalt (eine der reichsten und mächtigsten Frauen der Welt, mit millionenteuren Kronjuwelen auf dem Haupt) und der Emotion, die uns erreicht: Ruhe, Rückzug zur eigenen Mitte, Konzentration.

Welche Geschichte erzählt diese Bild Ihnen? Welche Geschichte würden Sie gerne über sich erzählen?

Mehr zur Entstehung des Bildes von Königin Elisabeth II. lesen Sie unter

http://www.theguardian.com/artanddesign/2009/aug/19/photography-chris-levine-best-shot

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